Und Markus möchte wissen, warum heute noch jemand mitgekommen ist, der Christian zuschaut und sich Notizen macht.

 

Mit der Zeit achte man auf Details, die man anfangs nicht wahrnimmt, erzählt Christian. Zum Beispiel bemühe sich Markus sehr, ihm das Anziehen zu erleichtern. Nimmt man diese Bemühungen nicht wahr, ist es für beide viel anstrengender. Und, fügt seine Mutter hinzu, natürlich ist es noch viel anstrengender, wenn er keine Lust hat, aufzustehen.

 

Dass sie selbst es schwer habe im Leben, hat sie schon oft gehört. Doch sie ist anderer Meinung: Die Leute würden immer nur an die viele Arbeit denken und an die Tatsache, dass sie ihr Leben nach den Bedürfnissen von Markus richten muss. Dabei vergessen sie jedoch, was sie dafür von ihrem Sohn zurückbekommt: Zuneigung, Anhänglichkeit und Liebe - das würde die Arbeit mehr als aufwiegen. Für ehrenamtliches Engagement ihrer Mitmenschen, das ihr in der Bewältigung des Alltags hilft, ist sie sehr dankbar.

 

Ob in Betreuungseinrichtungen oder im Mobilen Sozialen Hilfsdienst, die Liebe und Aufopferung, mit der sich viele Freiwillige um Markus kümmern, beeindruckt sie sehr.

 

Das FSJ, erzählt Christian auf der Fahrt zum nächsten Kunden, war für ihn eine willkommene Alternative zum Zivildienst. Dort sind Stellen zur Zeit rar, um sie zu bekommen muss man oft Kompromisse bei der Entfernung zum Wohnort oder bei der Tätigkeit selbst hinnehmen. Den Charakter des "Frei-willigen" verliere das FSJ dadurch jedoch nicht völlig, schließlich dauert es mit 12 Monaten etwas länger als der Zivildienst. Und dieser Mehraufwand lohne sich: Die Anrechnung als Wartesemester für ein Studium und die Akzeptanz in der Bevölkerung und bei einer Bewerbung sind für ihn gute Gründe. Die Möglichkeit, ein FSJ zu absolvieren, steht natürlich auch jungen Frauen offen, wie Christians Vorgesetzte später berichten wird. Dies wird jedoch viel zu selten genutzt. Dabei sind die Johanniter auf die Hilfe der Freiwilligen angewiesen, um dieses Angebot weiter aufrecht zu erhalten.

 

Einzige Voraussetzung für ein FSJ in den verschiedenen Arbeitsbereichen der Johanniter-Unfall-Hilfe ist, dass die Bewerberinnen und Bewerber volljährig sind und einen Führerschein haben. Bewerberinnen und Bewerber ohne Führerschein können im Johanniter-Altenheim in Rimbach ein FSJ machen.

 

Christian zumindest möchte auf die Erfahrungen bei den Johannitern nicht verzichten. Im Kontakt mit Gleichaltrigen, die bisher nur in der Schule oder an der Uni waren, stellt er immer wieder fest, dass denen "irgendetwas fehlt".

 

Der nächste Termin ist vergleichsweise kurz: Er hilft einer Mutter, ihren pflegebedürftigen Sohn aus dem Bett in den Rollstuhl zu heben, das schafft sie alleine nicht. Noch ein paar nette Worte und ein kurzes Gespräch über das Wetter, dann muss Christian weiter. Ein älteres Ehepaar wartet auf ihn, denn der Mann kann sich nach einem Schlaganfall nicht mehr alleine anziehen. Wieder ist Christian ein wichtiger Teil des Alltags seiner Kunden, an dessen Gewohnheiten und Rituale er sich ständig anpasst. Er kommt immer dazu, wenn irgendetwas im Tagesablauf nicht funktioniert.

 

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